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Sonderausstellung „Sauberkeit zu jeder Zeit!“ im Bauernhofmuseum Illerbeuren

Illerbeuren (jm) – „Sauberkeit zu jeder Zeit!“ Unter diesem Titel können Besucher der neuen Sonderausstellung im Schwäbischen Bauernhofmuseum in Illerbeuren (Unterallgäu) eine ganz besondere Zeitreise unternehmen: Weg vom Staubsaugroboter und smarten Kühlschrank hin zum „Stöbra“ und eingeweckten Speisen. Bis zum 26. Juni beherbergt das Freilichtmuseum die aktuelle Wanderausstellung und zeigt Geräte, Werkzeuge und Hausmittel für die Sauberkeit von Mensch, Tier und Dingen im Wandel der Zeit.

Die „Königlich Privilegierte Waschhausvereinigung“ gab mit ihrem musikalischen Auftakt den passgenauen Ton zur Ausstellung. Hielt sich das Duo Toni Kartheininger und Dr. Anton Huber zu Beginn noch etwas zurück, gewann die ganze Chose mit ihren Stücken „Schrubbs Waschbrett“ und „Stöbra“ dann ordentlich an Fahrt. Ganz so wie an einem zünftigen Waschtag eben die Temperatur und das Tempo auch ansteigen. Tatsächlich gab ein Waschbrett den Ausschlag für die Namensgebung der Band. „Wir haben abends auf einer Alm beim Musikmachen ein Waschbrett gefunden und es direkt als Instrument eingebunden. Das passt doch wunderbar, dachten wir uns, und haben unser Duo danach benannt“. Die Gäste wurden jedenfalls allein schon beim Zuhören mitten hineingenommen in einen solchen Putztag. Ein ziemlicher Aufwasch damals, das „Stöbra“ – bei dem nichts und niemand verschont blieb.

Sauberkeit schenkte einem damals nichts

„Hygiene spielt eine zentrale Rolle in unser aller Leben – heute mehr denn je. Den Generationen vor uns standen nicht die luxuriösen Hilfsmittel von heute zur Verfügung, – jede Art von Reinigung war vielmehr mit harter körperlicher Arbeit verbunden. Wir freuen uns, die Ausstellungsbesucher in diese Zeit entführen zu dürfen“, erklärte Museumsleiter Dr.-Ing. Bernhard Niethammer bei der offiziellen Eröffnung. Die Wanderausstellung der Arbeitsgemeinschaft Süddeutscher Freilichtmuseen erzählt die Hygienegeschichte des ländlichen Raums und informiert unter anderem über die Entwicklung der medizinischen Versorgung, der Lebensmittelreinheit, sowie der Hygiene in Haushalt und Stall. Das gelingt eindrucksvoll, wie Edgar Rölz, Bezirkstagsabgeordneter und in seiner Funktion als Stellvertreter des Bezirkstagspräsidenten, findet: „Die Ausstellung bringt uns die Welt unserer Vorfahren wirklich ein Stück näher“.

Geschichte zum Anfassen

„Das Bauernhofmuseum ist ein ganz besonderes und lebendiges Museum zum Erleben und Anfassen. Viele von uns sind schon früher als Schulkinder hierhergekommen, heute bringen wir unsere Kinder mit und lernen mit ihnen über unsere Vergangenheit und Traditionen. Das Museum gehört genauso zu unserer Geschichte wie die Mindelburg und Sebastian Kneipp. Es liegt uns allen sehr am Herzen“, sagte Daniel Pflügl, der stellvertretende Unterallgäuer Landrat. Dank erging sowohl an Dr. Niethammer und sein Team als auch an die Verwaltungsgemeinschaft Illertal und den Heimatdienst Illertal: „Ohne Ihren Verein würde es das Bauernhofmuseum gar nicht geben. Seit 1948 engagiert Ihr Euch mit Herzblut!“

Herrenfriseursalon aus den 60ern

Ein besonderes Einrichtungshighlight der Ausstellung stellt ein originaler Friseursalon für Herren dar, der in den 1960er Jahren in Lindau geöffnet hatte. Friseurmeisterin Irmengard Stöckle schnitt damals dort Männern die Haare und rasierte sie. Viele kamen sogar täglich, um sich für den Tag frisch machen zu lassen. „Das war damals gar nicht so anders als die modernen Herren-Barbershops, die wir heute kennen. Nur wirkt es bei unseren strengen Zeitplänen heutzutage eher unrealistisch, jeden Morgen vor der Arbeit eine Dreiviertelstunde beim Barbier zu verbringen“, sagte Edgar Rölz. „Außerdem räumt der Salon mit dem altbackenen Klischee auf, nur Frauen seien Stammgäste in Friseursalons“.

Mit dem Mofa zur Geburtshilfe

Eines der Lieblingsausstellungsstücke von Museumsleiter Dr. Niethammer ist die NSU Quickly, eines der bekanntesten Fahrzeuge der Neckarsulmer Motorenwerke. Mofas waren das Transportmittel der Wahl für Hebammen in den 1960er Jahren. „Die Hebammen waren schon früh ein wichtiger Teil der bürgerlichen Gemeinschaft. Mit den ersten Mofas wurde ihre wichtige Arbeit erleichtert: Sie waren nicht nur schneller vor Ort, sondern konnten auch Patientinnen in einem größeren Umkreis versorgen“, so Niethammer weiter.

Wir sind verwöhnt

Auch wenn Hygiene besonders in den vergangenen zwei Jahren im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand, war sie schon über die letzten Jahrhunderte ein zentrales Thema. „Heute sind wir mit geheiztem Badezimmer, Wasserhähnen und elektrischen Zahnbürsten geradezu verwöhnt“, so Daniel Pflügl. „Wer zum Beispiel beim Wandern auf diesen Luxus verzichten muss, der bekommt einen Vorgeschmack, mit wieviel Aufwand das Thema Sauberkeit damals verbunden war“, sagte der stellvertretende Unterallgäuer Landrat und freute sich auf die Ausstellung: „Vielleicht ist ja der eine oder andere Tipp für meine nächste Wandertour dabei“.

Rund um die Ausstellung

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Begleitband erschienen, der die Themen der Präsentation vertieft. Er ist für 19,95 Euro im Museumsladen erhältlich. Begleitend zur Sonderschau können verschiedene Themenführungen und museumspädagogische Gruppen- und Digitalangebote gebucht werden.
Laufzeit der Sonderausstellung 8. März – 26. Juni, barrierefrei zugänglich im Erdgeschoss des Neubauerhofes (Haus 19a). Immer eine Stunde nach Museumsöffnung zugänglich.
Museumsöffnungszeiten im März, 10 – 16 Uhr, Dienstag – Sonntag
Aktuell ist der Museumsbesuch mit einem 3-G-Nachweis möglich. Mehr Informationen zum Museumsbesuch und der Ausstellung unter der Website www.bauernhofmuseum.de

Autor: Marcus Wiesenhöfer

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