Experten raten wie das Robert-Koch-Institut zur hygienischen Reinigung. Interview mit Robert und Marco Wiedemann

Altenstadt (jm).
Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus haben den Alltag in Deutschland fest im Griff: Nach dem Aufheben der wochenlangen Ausgangsbeschränkungen gelten in vielen Bundesländern nach wie vor Kontaktverbote, im Nahverkehr und Einzelhandel müssen Schutzmasken getragen werden. Und jeder braucht scheinbar literweise Desinfektionsmittel, um durch die Krise zu kommen. „Wer hygienisch reinigt, der muss nicht desinfizieren. Schon gar nicht in seinem privaten Umfeld“, betonen die Hygiene-Experten Robert und Marco Wiedemann aus Altenstadt (Bayern) und stellen klar: „Wir sehen das wie das Robert-Koch-Institut: Ob Flächen überhaupt desinfiziert werden sollten, muss im Einzelfall entschieden werden und hängt davon ab, wie intensiv der Kontakt zu Erkrankten war. In der Regel reicht eine effiziente Reinigung völlig aus.“ Robert und Marco Wiedemann sind Geschäftsführer der beam GmbH, die Dampfsaugsysteme herstellt, die ohne Chemie arbeiten.

Herr Wiedemann, was ist denn so falsch am Desinfizieren?

Robert Wiedemann: Ich verstehe die Hysterie nicht! Gerade im privaten Haushalt sind Desinfektionsprodukte nicht nur überflüssig, im schlimmsten Fall können sie hier sogar schädlich sein. Denn Desinfektionsmittel belasten die Umwelt und vor allem bergen sie gesundheitliche Risiken. Sie zerstören zum Beispiel Bakterienstämme, die extrem wichtig für unsere Organismen sind, und sie können darüber hinaus zu Antibiotika-Resistenzen führen. Das hat jetzt auch wieder die Verbraucherzentrale Hamburg betont. Im privaten Umfeld sollten Desinfektionsmittel wirklich nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden. Um dann überhaupt einen Effekt erzielen zu können, müssen die Oberflächen erst einmal von Fettablagerungen befreit werden, das geht am Besten über die hygienische Reinigung – andernfalls besteht Verschleppungsgefahr. Und noch einmal: Reinigen reicht im privaten Umfeld allemal. Das sagen alle Experten. Denken Sie allein ans Händewaschen. Wer hier die Empfehlung des Robert-Koch-Instituts einhält, die 20-bis-30-Sekunden-Regel beachtet, Seife benutzt und seine Hände nachher gründlich abtrocknet, der braucht in der Regel keine Handdesinfektion. Schon gar nicht alle zwei Stunden. Und sofern keine COVID-Erkrankung im Haushalt vorliegt, hält das Robert-Koch-Institut eine routinemäßige Flächendesinfektion in häuslichen oder öffentlichen Bereichen nicht für sinnvoll. Hier raten die Experten des RKI stattdessen explizit zu einer angemessenen Reinigung.

Viele setzen trotzdem auf die Chemiekeule…

Robert Wiedemann: Leider. Auch in vielen Unternehmen wird viel zu viel Chemie eingesetzt und häufig falsch angewendet, sodass die Wirkung komplett verfehlt wird. Auch hier wird übersehen, dass vor jeder Desinfektion unbedingt eine effiziente Reinigung stehen muss. Desinfiziert werden sollte nur dort, wo es auch wirklich sinnvoll ist. Und wenn es sinnvoll ist, dann ist es in der Regel auch vorgeschrieben. Ansonsten reicht eine hygienische Reinigung völlig aus.

Wann ist eine Reinigung hygienisch?

Robert Wiedemann: Immer dann, wenn der Reinigungsprozess wirklich etwas bringt, Flächen also nicht nur optisch sauber sind, sondern auch nachweislich Bakterien und Keime beseitigt oder abgetötet wurden. Oder Viren wie der Corona SARS-CoV2 inaktiviert wurden, wie das offiziell heißt. Dafür gibt es unterschiedliche Methoden und für die Nachweise verschiedene Testverfahren.

Einsatzbeispiele von Dampfsaugsystemen im professionellen Umfeld. Foto: beam GmbH

Wie wird sich die Corona-Krise auf unser Reinigungsverhalten auswirken?

Marco Wiedemann: Corona macht klar: Wir können bei der Reinigung nicht so weitermachen wie bisher. Neue Herausforderungen erfordern auch innovative Lösungen – egal, ob in Privathaushalten oder in Unternehmen. Die Menschen sind viel stärker für Hygiene sensibilisiert und das ist gut so. Ein Beispiel: Wenn Sie beim Einkaufen sehen, wie ein Angestellter in einem Laden oder Café mit einem nicht mehr ganz so sauberen Putzlappen herumwischt und diesen immer wieder im Eimer auswringt. Da haben Sie einfach kein gutes Gefühl und bezweifeln, dass es wirklich sauber ist. Vor Corona hätten Sie vielleicht darüber hinweg sehen. Jetzt nicht mehr, denn das wird nicht mehr der neuen Sensibilität in Sachen Hygiene gerecht.

Um auf Nummer sicher zu gehen, muss man jetzt natürlich eines Ihrer Dampfsaugsysteme kaufen, oder?

Marco Wiedemann: Natürlich freuen wir uns über steigende Verkaufszahlen, aber es geht um viel mehr. Nämlich darum, dass sich die Menschen ernsthaft Gedanken machen und überlegen, wie wichtig Ihnen die Hygiene ist. Im privaten Umfeld aber natürlich auch am Arbeitsplatz. Wer sich intensiv mit dieser Frage auseinandersetzt, der wird sich automatisch mit Dampf beschäftigen und feststellen, das damit die größte Reinigungswirkung erzielt werden kann – und das auch noch auf ganz natürliche und schonende Art und Weise. Leistungsstarke Dampfsaugsysteme arbeiten mit heißem Trockendampf und entfernen nicht nur hartnäckigsten Schmutz rückstandslos. Sie machen auch endgültig Schluss mit Krankheitserregern, das ist längst wissenschaftlich belegt: Die richtige Anwendung vorausgesetzt, töten sie 99,9 Prozent an Keimen und Bakterien ab und inaktivieren auch Viren wirkungsvoll.

Mal ehrlich, hatten wir in Deutschland bisher ein Hygiene-Problem?

Robert Wiedemann: Ja, definitiv. Schauen Sie sich doch allein das Umfeld der Gebäudereinigung an: Hier liegt der Fehler eindeutig im System. Denn als Reinigungsfirma müssen Sie den günstigsten Preis pro Quadratmeter abgeben, dann bekommen Sie den Auftrag. Ob Sie es dann in der vorgegebenen Zeit mit Ihrem Personal schaffen, die Flächen richtig zu reinigen, das ist dem Controller ihres Auftraggebers völlig egal. Durch Corona haben wir jetzt zum Glück den „Hallo-Wach-Effekt“. Jetzt sollte keiner mehr fragen, ob der Quadratmeter 50 Cent mehr oder weniger gekostet hat. Jetzt geht es darum, die Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Kunden zu schützen und darum, ob Patienten oder auch die Bewohner von Pflegeheimen überleben oder sterben. Jetzt zählt plötzlich das Reinigungsergebnis. Und alle Unternehmen sind gefordert, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Hilfe von geeigneten Hygienemaßnahmen vor einer Infektion zu schützen.

Also eine gute Entwicklung für die Sensibilisierung?

Robert Wiedemann: In der Tat, aber das ist noch ein weiter Weg. Was mir in der aktuellen Diskussion fehlt, ist die Anerkennung und Wertschätzung von Reinigungskräften. Corona macht einmal mehr klar: die Reinigungskräfte sind genauso systemrelevant wie zum Beispiel Krankenpfleger oder Verkäufer. Ihre Arbeit trägt maßgeblich zur Gesunderhaltung von uns Menschen bei. Durch die Coronakrise stehen jetzt wenigstens die Pflegekräfte im Fokus. Davon können sie sich aber noch lange nichts kaufen, denn sie kriegen zwar viel Applaus und mehr öffentliche Anerkennung, aber adäquat bezahlt werden sie nicht. Und die Reinigungskräfte stehen in der Rangfolge leider noch weiter hinten.

Reden wir mal über Dampfsaugsysteme. Werden diese wirklich den hohen Hygieneanforderungen im Gewerbe und in der Industrie gerecht?

Robert Wiedemann: Selbstverständlich. Unsere Geräte sind zum Beispiel HACCP-zertifiziert und damit für den Einsatz in der Lebensmittelproduktion oder im medizinischen Umfeld zugelassen. Sie erreichen auch Top-Werte beim 4-Felder-Test, der bestätigt, dass Keime und Bakterien zu 99,9 Prozent abgetötet werden. Außerdem werden damit Viren wirkungsvoll inaktiviert. Natürlich gibt es besonders sensible Arbeitsbereiche, in denen eine Desinfektion oder sogar eine Sterilisation unumgänglich und ganz klar vorgeschrieben sind. Das sind zum Beispiel Operationssäle und Intensivstationen in Kliniken oder die Produktionsstätten von Pharmaherstellern. Auch, wenn in einem Pflegeheim ein Bewohner verstorben ist, muss sein Zimmer natürlich desinfiziert werden. Aber auch hier gilt: Desinfektionsprodukte sind nur dann wirkungsvoll, wenn die Flächen zuvor hygienisch gereinigt wurden. Dank des extrem hohen Reinigungsgrades ist die Reinigung mit Dampfsaugsystemen die ideale Vorbereitung für eine spätere Desinfektion.

In Bezug auf den Infektionsschutz müssen ja insbesondere Arbeitgeber derzeit darauf achten, dass sich ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht gegenseitig anstecken. Mundschutz und Abstandsregel reichen da sicher nicht, welche Tipps haben Sie?

Marco Wiedemann: Egal in welchem betrieblichen Umfeld: Es muss einfach hygienisch gereinigt werden. Hygienisch reinigen heißt: Es darf nicht alibimäßig gewischt werden, sondern es muss nach dem Reinigungsvorgang wirklich sauber sein. Das gilt übrigens nicht nur für die Kontaktflächen im direkten Arbeitsumfeld wie zum Beispiel Türgriffe und Lichtschalter. Man darf ja nicht die Büro-, Sozial- und Sanitärräume vergessen. Die Mitarbeiter können noch so viel Abstand zueinander halten, Masken tragen und im Schichtbetrieb arbeiten. Das bringt alles nichts, wenn nicht auch die Toiletten oder die gemeinsam genutzte Küche regelmäßig hygienisch gereinigt werden. Unternehmen sind hier in der Pflicht, für höchste Arbeitssicherheit zu sorgen.

Und im privaten Umfeld. Haben Sie Tipps für diejenigen, die in Zukunft mit Dampf reinigen wollen?

Marco Wiedemann: Ganz wichtig: Man sollte hier von Anfang an ganz klar auf Dampfsaugsysteme und nicht auf Dampfreiniger, wie man sie von früher kennt, setzen. Diese arbeiten mit Wischtüchern, sodass Schmutz und Keime eher verteilt werden, schon haben wir wieder die vorhin bereits angesprochene Verschleppung. Dampfsauger dagegen dampfen, wischen, saugen und töten Keime in einem Schritt ab, so werden Krankheitserreger auch wirklich rückstandslos entfernt. Vor einem Kauf sollten sich Anwender unbedingt von Fachpersonal beraten lassen und nicht am falschen Ende sparen. Gute Geräte zeichnen sich durch hochwertiges Zubehör und eine hohe Leistung aus. So können auch wirklich alle Materialien optimal gereinigt werden. Im Idealfall sind Dampfsauger auch mit einem sogenannten UVC-Blaulichtfilter ausgestattet, der Keime und Bakterien abtötet und auch die Luft effizient säubert. Wie gesagt: Am besten, man schaut sich genau um und probiert es selbst aus. Da merkt man auch, ob und wie gut man mit einem Gerät zurechtkommt.

Profitieren Sie als Hersteller von Dampfsaugsystemen eigentlich von der Corona-Krise?

Robert Wiedemann: Es wäre schön, wenn ich das sagen könnte. Momentan leiden wir wie viele andere Unternehmen auch nach wie vor unter den Kontaktbeschränkungen. Quasi alle Publikums- und Fachmessen wurden abgesagt, dieses Geschäft ist uns komplett weggebrochen. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen können unsere Außendienstmitarbeiter die Geräte auch nicht live vor Ort bei Interessenten vorführen. Auf diese Situation haben wir aber reagiert und machen solche Termine jetzt über Skype bei uns in der Ausstellungshalle. Das kommt super an. Langfristig sehen wir schon eine gute Chance, denn die Anfragen sind definitiv da. Viele Betriebe nutzen die Corona-Krise, um ihre Prozesse zu überdenken. Gerade Verkehrsunternehmen, Speditionen oder auch viele Einzelhändler wollen in Bezug auf die Reinigung nicht mehr so weitermachen wie bisher.

Sind Sie auch lieferfähig?

Robert Wiedemann: Glücklicherweise ja. Im Vergleich zu anderen Herstellern kommt uns dabei zugute, dass unsere elektronischen Komponenten nicht aus China, sondern aus Europa stammen. Außerdem dürfen wir die Produktion in Italien aufrechterhalten, weil unsere Dampfsaugsysteme von der italienischen Regierung als systemrelevant eingestuft wurden. Wir sind also bestens gewappnet.

Das Interview führte Laura Jocham

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